Website-Icon dieBasis NRW

Assange drohen bis zu 175 Jahre Haft

Julian Assange soll an die USA ausgeliefert werden. Ihm drohen bis zu 175 Jahre Haft.

Gastbeitrag von Holger Gräf

Düsseldorf, 22. Juni 2022 – Er ist DER Held unserer Generation. Er hat die schlimmsten Menschenrechtsverletzungen der vergangenen Jahrzehnte aufgedeckt, willkürliche Morde an Zivilisten angeprangert und eine systematische Folterung von Kriegsgefangenen offenbart. Der Mann, der an den Pranger stellte, wäre mit Ehrungen und Auszeichnungen nur so überhäuft worden, wäre er ein kleiner Diktator eines unbedeutenden Landes oder gar ein einzelner Massenmörder gewesen. Man hätte Julian Assange als den Held gefeiert, der er ist. Doch leider sind es die USA, die all diese Verbrechen begangenen haben. Die USA anzugreifen bedeutet jedoch, dass man seine eigenen Menschenrechte getrost an den Nagel hängen kann. Und so sitzen nicht etwa George W. Bush und Barack Obama in Haft, die all diese Menschenrechtsverletzungen, systematischen Morde und Folterungen bewilligt und zu verantworten hatten. Nein, es ist derjenige, der sie aufdeckte.

Ist es nicht eine verkehrte Welt, wenn man nicht die Täter verfolgt, sondern deren Ankläger? Fühlen wir uns wohl in einer Welt, in der nur (ja ausschließlich nur) das Recht des Stärkeren gilt? Es ist wie auf einem Schulhof: Wer letztendlich im Recht ist, spielt keine Rolle.  Der Pausenschläger setzt seinen Willen mit dem Faustrecht durch.

 

Die Welt schaut zu

Das Tragischste an der ganzen Sache ist jedoch, dass die Welt seelenruhig dabei zusieht. Nicht nur die Politik, nein, buchstäblich alle Menschen. Hier und da mag es einmal zu einem Aufschrei kommen. Doch zieht niemand wirklich Rückschlüsse aus den Ereignissen, die sich vor den eigenen Augen abspielen? Diese müsste lauten: „Nein, bei den USA handelt es sich nicht um einen demokratischen Rechtsstaat, der für Frieden in der Welt steht. Es handelt sich vielmehr um einen Staat, der mit brutaler Waffengewalt verdeckt agiert und dabei den Geist der Gründungsväter der amerikanischen Verfassung mit Füßen tritt.“ (Man muss an dieser Stelle natürlich darauf hinweisen, dass hier keineswegs der amerikanische Bürger gemeint ist, sondern vielmehr die US-Regierung.)

Diese Erkenntnis wäre gerade jetzt wichtig, da wir uns einmal mehr im Gefolge dieser Gewaltmacht befinden und seelenruhig dabei zusehen, wie sich unsere Politik ihr anbiedert und alles umsetzt, was die US-Regierung vorgibt. Diese Erkenntnis würde uns zu der Überlegung führen, ob unsere Bundesregierung tatsächlich weiß, was sie tut und ob sie den Schwur, den jeder Minister bei seinem Amtsantritt leisten muss, nämlich Schaden von Deutschland und dem deutschen Volk abzuwenden, überhaupt einhalten WILL.

Wozu mag ein Staat, der derartig dünnhäutig auf die Enthüllung seiner Verbrechen reagiert, noch alles fähig sein? Wie egal ist ihm das Schicksal der Europäer insgesamt und der Deutschen im Speziellen?

 

Die Auslieferung

Wenn nun nicht in letzter Sekunde noch ein Wunder geschieht, wird der Wikileaks-Gründer und Friedensaktivist in Kürze an die USA ausgeliefert. Dies hatte das Britische Innenministerium am 17. Juni 2022 beschlossen – final, wie es heißt.

In den USA drohen Assange bis zu 175 Jahre Haft. Wenn man berücksichtigt, wie die USA generell mit politischen Gegnern umgehen, dann wird diese Haft keine bloße Aufbewahrung in einer Zelle sein. Vielmehr müssen wir davon ausgehen, dass man den größten Helden unserer Generation schwer misshandeln und foltern wird. Um Nachahmer abzuschrecken… und weil man es eben kann.

Ist das die Welt, in der wir leben wollen? Sind rund 7 Milliarden Menschen nicht in der Lage, einen solch wichtigen Streiter für unser aller Freiheit in Schutz zu nehmen? Werden wir es klag- und folgenlos hinnehmen, dass ein Staat Rache für die Aufdeckung seiner Verbrechen nehmen kann?

Die mobile Version verlassen